Max von Schillings – Projekt

Seit einiger Zeit beschäftigen Anna Fischer und ich uns mit den Liedern von Max von Schillings (1868-1933), einem Freund von Richard Strauss, der als Komponist, Dirigent und Intendant zu den bedeutendsten musikalischen Persönlichkeiten seiner Zeit gehörte. Nicht zuletzt durch seine politische Rolle während des Nationalsozialismus ist Schillings zunehmend in Vergessenheit geraten. Es ist wesentlich schwerer , sich über seine Charakterfestigkeit ein vorurteilsfreies Bild zu machen als seine Musik zu bewerten. Seine Lieder erachten wir auf jeden Fall als zu gut gelungen, um sie dem Vergessen preiszugeben. Daher haben wir ein reines Schillings-Programm konzipiert, das neben einer Auswahl der Lieder auch das berühmte Melodram „Das Hexenlied“ enthält.

Zu Max von Schillings:

Max von Schillings wurde am 19.April 1868 in Düren geboren und wuchs auf dem Familienbesitz Gut Weyerhof in Gürzenich auf. In Bonn erhielt er neben seiner schulischen Ausbildung den ersten Musikunterricht. Nachdem er 1892 bei den Bayreuther Festspielen assistiert hatte, war er als Dirigent und Musikpädagoge in München tätig. 1903 wurde er zum Professor ernannt. Zu seinen Schülern zählte u.a. Wilhelm Furtwängler.

In den Jahren 1908 bis 1918 bekleidete Schillings das Amt des Generalmusikdirektors am Königlichen Hoftheater Stuttgart. Von 1919 bis 1925 wirkte er als Nachfolger seines langjährigen Freundes Richard Strauss als Generalintendant an der Preußischen Staatsoper zu Berlin. 1924 bis 1932 war er außerdem musikalischer Leiter der Städtischen Waldoper Ostseebad Zoppot. Ab 1925 unternahm er als Gastdirigent Konzertreisen durch Europa und in die USA. Als Nachfolger Max Liebermanns wurde er 1932  Präsident der Preußischen Akademie der Künste Berlin. Vom März 1933 bis zu seinem Tode war Schillings zusätzlich Intendant der Städtischen Oper Berlin. Er starb an einer Lungenembolie in Folge einer Darmkrebs-Operation.

Schillings komponierte Bühnen- und Vokalwerke, Orchester- und Kammermusik. Seine Werke, die in der Tradition Richard Wagners stehen, sind heute weitgehend vergessen. Gelegentlich wird sein Melodram “Das Hexenlied” (1902/03, nach der gleichnamigen Ballade von Ernst von Wildenbruch) aufgeführt. Zu seinen Lebzeiten genoss Schillings hohe Anerkennung. Nach einem fulminanten Beginn als Komponist zog er sich seit etwa 1916 immer mehr auf die reproduzierende und organisatorische Seite zurück.

Kritisch zu hinterfragen ist seine politische Rolle. Als Präsident der Preußischen Akademie der Künste begann er nach der „Machtergreifung“ 1933 unter dem Druck des NSDAP-Ideologen und Preußischen Kultusministers Bernhard Rust mit der sog. Gleichschaltung der Mitglieder, als deren Folge die erzwungenen  Austritte und Ausschlüsse bedeutender jüdischer und unangepasster Künstler stehen (Käthe Kollwitz, Heinrich Mann, Ricarda Huch, Alfred Döblin, Thomas Mann, Max Liebermann, Arnold Schönberg, Franz Schreker).

Als Lektüre zu empfehlen ist die Dissertation von Christian Detig: “ Deutsche Kunst, deutsche Nation – der Komponist Max von Schillings“, (Kölner Beiträge zur Musikforschung, Band 201)